{"id":648,"date":"2019-05-01T22:20:05","date_gmt":"2019-05-01T20:20:05","guid":{"rendered":"https:\/\/bielefelder-friedensini.de\/?p=648"},"modified":"2019-05-01T22:22:19","modified_gmt":"2019-05-01T20:22:19","slug":"rede-martin-kolek","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bielefelder-friedensini.de\/?p=648","title":{"rendered":"Rede Martin Kolek"},"content":{"rendered":"<p>Ostermarschierende, \u00a0&#8211; liebe Ostermarschierende!<\/p>\n<p>Gerne habe ich die Anfrage, beim Ostermarsch in Bielefeld etwas zu sagen angenommen:<\/p>\n<p>Ich wurde eingeladen, auch weil ich 2016 auf der Sea-Watch 2 und\u00a0 2018 auf der Sea-Watch3 im Einsatz war: \u2013 dort wurden wir auf Malta geblockt. Nichts war schlimmer f\u00fcr mich, als nach einer langen Vorbereitungszeit und Koordination und Aufwand mit einer fitten Crew vors\u00e4tzlich\u00a0 daran gehindert wurden, Hilfe zu leisten. Alle Rettungsschiffe von Iuventa, Sea-Watch, life-line, \u00c4rzte ohne Grenzen, wurden gezwungen, an Land zu bleiben. Europa? \u00a0Insofern war ich froh, als mich vor etwa 1, eineinhalb Wochen die Anfrage erreichte, auf einem Segelschiff als Co-Skipper ins SAR Gebiet zu segeln. Ich konnte wirklich nicht anders, als zuzustimmen. Ich befinde mich also, wenn der Ostermarsch in Bielefeld stattfindet, in den Gew\u00e4ssern vor Libyen, soweit das Wetter und die politische Administration das zul\u00e4sst.<!--more--><\/p>\n<p>Wir segeln mit einem 15 m Schiff im s\u00fcdlichen Mittelmeer.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend parlamentarische Beschl\u00fcsse f\u00fcr mehr Aufr\u00fcstung pl\u00e4dieren, Milliarden Euro der R\u00fcstungsindustrie in den A\u2026-tomaren Wahnsinn zugeschoben werden und R\u00fcstungsprojekte nicht mehr im sogenannten Verteidigungs- \/ milit\u00e4retat, sondern im Wirtschaftsministerium verhandelt werden, wird doch eines vor Allem deutlich:<\/p>\n<p>Gewalt ist kein Mittel, um Angst zu beruhigen, so verdeckt man es auch anstellt.<\/p>\n<p>Angst l\u00e4sst sich nicht mit Gewalt beruhigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Heute Abend wird es wieder in der Tagesschau hei\u00dfen:<\/p>\n<p>\u201eUnd wie jedes Jahr gingen heute wieder tausende Menschen auf die Stra\u00dfe, um f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung zu demonstrieren. Die Ostermarschbewegung geht zur\u00fcck auf die Friedensbewegung in den USA anl\u00e4sslich des Vietnamkrieges.\u201c<\/p>\n<p>Ich sehe das anders: Was uns\u00a0 hier zusammenbringt und motiviert ist nat\u00fcrlich ein geh\u00f6riger Protest und ein klares Nein zu Militarisierung unseres Alltags und des Alltags unserer Kinder!<\/p>\n<p><strong>Aber<\/strong> &#8211; wir sind mehr &#8211; wirklich viel mehr als eine Friedensbewegung in einem kleinen soziokulturellen oder historischen Moment.<\/p>\n<p>Nie zuvor war auf diesem Planeten die Verkn\u00fcpfung von Macht, Gewalt und Krieg so offensichtlich erkennbar wie heute. Der Komplex von Industrie, Milit\u00e4r und Staatsgewalt liegt offen-sichtlich erkennbar vor unseren Augen.<\/p>\n<p>Und die uns umgebende Gewalt in Form moderner Technologie auch in Form von geregelter \u00d6ffentlichkeit und parlamentarisch beschlossener Missachtung von Menschenrechten ist sp\u00fcrbar.<\/p>\n<p>Wie eine \u00dcbermacht sind wir umgeben von und in einem System, dem wir nicht einfach entrinnen k\u00f6nne. \u2013 Daf\u00fcr wird gesorgt, &#8211; gut und sch\u00f6n:<\/p>\n<p>Das Ausgeliefertsein an eine \u00dcbermacht haben Menschen auf diesem Planeten seit Jahrtausenden versp\u00fcrt. Fr\u00fcher waren es Naturgewalten, Unwetter, Donner, Vulkanausbr\u00fcche, Erdbeben. Weltweit haben Menschen in Ritualen und Zusammenk\u00fcnften den Beginn der Sonnenzeit als existentiellen Moment erkannt &#8211; sich der Zukunft zugewandt, sich an der Zukunft orientiert.<\/p>\n<p>Denn sie wussten \u2013 die Sonnenzeit ist nicht reversibel. Sogenannte \u00b4heidnische Br\u00e4uche` wie auch Ostern orientieren sich am 1. Vollmond im Fr\u00fchling.<\/p>\n<p>Ostermarschierende sind dem Licht, der Sonne zugewandt \u2013 einer lebendigen Realit\u00e4t unseres Daseins, vor aller Staatenbildung, bevor es \u00fcberhaupt Menschen gab. Wir sind viele \u2013 im Wissen \u2013 nach der Zeit der Angst, der Angst vor Vernichtung, der Not und auch der eigene Engstirnigkeit, der begrenzten Horizonte, dem kulturellen Winter, &#8211; wird das Licht, wird die Sonne st\u00e4rker sein.<\/p>\n<p>Immer wieder:<\/p>\n<p>\u00b4Lassen wir uns von der Zukunft abholen \u2013 jetzt beginnt unsere Zeit, \u00a0&#8211; \u00a0wir werden das kulturelle Eis, die neoliberal verkleidete Angst zum Schmelzen bringen.\u00b4<\/p>\n<p>Das Licht ist auf unserer Seite.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das sollte die Tagesschau bringen:<\/p>\n<p>\u201eWie jedes Jahr haben sich Menschen versammelt im Willen zur Ver\u00e4nderung, aus der F\u00e4higkeit zur Solidarit\u00e4t und zum Frieden. Sie geh\u00f6ren sich selbst, kein Staat kann sie kontrollieren. Sie stehen f\u00fcr planetarischen Frieden.\u201c\u00a0 Trump und Frau van der Leyen konnten nicht teilnehmen, ihre Frisuren sa\u00dfen nicht korrekt.\u201c Fu\u00dfball\u2026bla bla<\/p>\n<p>Ok ok ok \u2013 ich komme zur\u00fcck zu den Tatsachen!<\/p>\n<p>2016 war ich als sogenannter 1. Offizier, also zivil formuliert: offiziell Co-Skipper &#8211; auf der Sea-Watch 2, im Einsatz, dem Schiff des gleichnamigen Seenotrettungsvereins &#8211; und diese Bezeichnung ist eine rein formelle, f\u00fcr die Wirklichkeit an Bord waren wir als Crew verantwortlich. Und nur zusammen konnten wir bisher unbekannte Herausforderungen erkennen und handhaben. Ohne steuerliche Hilfen, ohne Zusch\u00fcsse, nur Freiwillige, \u00a0&#8211; an Bord gibt es keine Waffen.<\/p>\n<p>Wir wurden am Morgen des 26. Mai zu einem sinkenden Holzboot gerufen. Es waren mehrere hundert Menschen an Bord.\u00a0 Wir aber waren Stunden weit entfernt. Viele Menschen ertranken, viele konnten gerettet werden. Am Nachmittag markierten und bargen wir zusammen mit der italienischen K\u00fcstenwache die Leichen. Ich erinnere mich immer wieder ganz klar, wie ich die ertrunkenen Kleinstkinder im Arm hielt. Ich schaute sie an, &#8211; unsere Zukunft &#8211; und schaute auf das Meer und in den blauen Himmel. Ich dachte, alle sollten es sehen, &#8211; das hier war kein Unfall, &#8211; das hatte System.<\/p>\n<p>Anscheinend waren wir ja ganz alleine &#8211; aber ich denke, es war anders:<\/p>\n<p>Die Milt\u00e4rmissionen EUNAVFORMED und Frontex haben mit Milliarden Zusch\u00fcssen und eben auch mit unseren Steuergeldern ein Kontingent an U-Booten, Schiffen, Drohnen, Flugzeugen und Satelliten\u00a0 im Einsatz. Sie scannen und interpretieren l\u00fcckenlos unter, auf und \u00fcber Wasser, aus der Luft und von Satelliten das gesamte Seegebiet und auch die K\u00fcstenregion Nordafrikas.<\/p>\n<p>Mittlerweile werden libysche Milizen mit EU Geldern finanziert und dieselben Milizen mit Marineschiffen beschenkt und dann werden sie im Polit-Jargon der EU und auch in Deutschland als \u201elibysche K\u00fcstenwache\u201c veredelt. Dieselbe Miliz bekommt nun Zugang zum Echtzeit \u2013 Satelliten &#8211; \u00dcberwachungsprogramm mit dem verniedlichenden Tarnnamen \u201eSeepferdchen\u201c. Die n\u00e4chsten Milliarden in das Frontex \u00dcberwachungsnetz sind veranschlagt. Aus unseren Steuern.<\/p>\n<ol start=\"26\">\n<li>Mai 2016: Es wurde gesagt, wir sind da ganz allein &#8211; Ich denke,- sie haben alles gesehen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Seien wir realistisch:<\/p>\n<p>Der kulturelle Winter, die Angst, die organisierte K\u00e4lte ist sehr einfallsreich, strategisch und parlamentarisch organisiert. Frau van der Leyen zelebriert in Weiss, als Frau eine soziokulturelle Vernichtungsmaschinerie. Deutsche Waffen finden ihren Weg zum Einsatz. &#8211; zielgenau, &#8211; bew\u00e4hrt, \u00a0-berechnet. Wir sind nur 80 Jahre und 100 Jahre weit entfernt vom Massenkrieg. \u00a0Der industriell-milit\u00e4rische neoliberale Komplex braucht den Krieg, er sucht die M\u00f6glichkeit zum Krieg &#8211; nicht mit uns! Nicht mit unseren Kindern!<\/p>\n<p>Es werden Waffenlieferungskontingente diskutiert. Wir mit unseren Steuern- werden Waffen, wird der Krieg exportiert und selbstverst\u00e4ndlich auch importiert.<\/p>\n<p>In vielen L\u00e4ndern dieses Planeten werden M\u00e4nner wie selbstverst\u00e4ndlich zum Kriegsdienst verpflichtet. Auch in Deutschland ist die sogenannte Wehrpflicht nur \u00b4ausgesetzt`. Diejenigen, welche aus afrikanischen Staaten, korrupten Regimen, aus Afghanistan zu uns fliehen, weil sie nicht bereit sind, sich zum Kriegsschlachten missbrauchen zu lassen, wird hier kein Schutz gew\u00e4hrt! Denn Sie versauen das Gesch\u00e4ft!<\/p>\n<p>Hochachtung und Schutz f\u00fcr Alle auf diesem Planeten, die desertieren. Sie Alle sind Ostermarschierende.\u00a0 Schluss mit den Menschenschlachtereien zugunsten einer vielfr\u00e4ssigen, nimmersatten Waffenindustrie und neoliberalen Zuh\u00e4ltern und Zuh\u00e4lterinnen.<\/p>\n<p>Ich komme zur\u00fcck zum Anfang:<\/p>\n<p>Lassen wir uns aus der Zukunft abholen! Was sollen wir unseren Kindern und kommenden Generationen hinterlassen: nat\u00fcrlich Leben und Frieden und Licht!<\/p>\n<ul>\n<li>Sofortige Abschaffung und nicht nur Aussetzung der sogenannten \u201eAllgemeinen Wehrpflicht\u201c in Deutschland.<\/li>\n<li>Keinen Cent ! f\u00fcr (Von-der-) leyenhafte Kriegsvergn\u00fcgungsteuern!<\/li>\n<li>Unbedingter Schutz von sog. \u201eDeserteuren\u201c.<\/li>\n<li>F\u00fcr umgehende R\u00fcstungskonversion und F\u00f6rderung internationaler R\u00fcstungsblockaden!<\/li>\n<li>F\u00fcr faire Verfahren und in Bezug auf die Versorgung von aus Kriegsgebieten und Not fliehenden Menschen: F\u00e4hren statt Frontex.<\/li>\n<li>F\u00fcr das Licht, f\u00fcr die Kraft der Solidarit\u00e4t in uns: Wahlergebnisse, parlamentarische Beschl\u00fcsse auf welcher Ebene auch immer k\u00f6nnen uns Menschen nicht hindern. Wir k\u00f6nnen nicht anders. Das Licht, die Zukunft zieht uns an.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ostermarschierende, liebe Ostermarschierende.<\/p>\n<p>Ehrlich gesagt konnte ich mit \u00b4M\u00e4rschen` nie etwas anfangen, aber was ich als Musiktherapeut verstehe: Wir k\u00f6nnen leise sein, wir k\u00f6nnen hinh\u00f6ren.\u00a0 Aber wir k\u00f6nnen und wir werden laut sein. Sehr laut.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ostermarschierende, \u00a0&#8211; liebe Ostermarschierende! Gerne habe ich die Anfrage, beim Ostermarsch in Bielefeld etwas zu sagen angenommen: Ich wurde eingeladen, auch weil ich 2016 auf der Sea-Watch 2 und\u00a0 2018 auf der Sea-Watch3 im Einsatz war: \u2013 dort wurden wir auf Malta geblockt. 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