Bielefeld, den 22.12.2025
Zum Vortrag von Andreas Stahl am 8.12.2025
Die Friedensinitiative Bielefeld/OWL ist sich mit allen weiteren Stimmen zu den Umständen des Vortrages von Andreas Stahl einig, dass Antisemitismus und Rassismus in jeder Form verurteilt werden müssen. Jüdisches, wie auch muslimisches und christliches Leben gehören zu Deutschland und Bielefeld und müssen frei und ohne Bedrohung und Diskriminierung gelebt werden können.
Ein weiterer unverhandelbarer Grundsatz der Friedensinitiative ist der Einsatz für Frieden, für die Wahrung der Menschenrechte und das Völkerrecht gemäß der Charta der Vereinten Nationen und dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland.
Unter diesen Gesichtspunkten ist das Massaker vom 7.10.2023 in Israel absolut zu verurteilen.
Ebenso ist die völkerrechtswidrige israelische Besatzung des Westjordanlandes, des Gazastreifens und Ostjerusalems seit 1967 mit Vertreibungen, Ermordungen und Inhaftierungen von PalästinenserInnen zu verurteilen.Unter diesen Gesichtspunkten ist ebenso die Kriegsführung Israels in Gaza absolut zu verurteilen und mit keinem Anspruch auf Selbstverteidigung zu rechtfertigen.
Die Kriegsverbrechen, die Israel belegbar vorgeworfen werden, sind (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):
– die vollständige Zerstörung des Lebensraums von 2,5 Millionen Menschen in Gaza.
– die vorsätzliche Ermordung von Kindern und erwachsenen Zivilpersonen.
– die vorsätzliche Ermordung von Klinik- und Rettungspersonal.
– die vorsätzliche Ermordung von JournalistInnen.
– die systematische Anwendung von Hunger als Mittel der Kriegsführung.
– die systematische Verhinderung humanitärer Hilfe als Kriegsführung.
– die pausenlosen Aufrufe von Regierungsangehörigen zur Vernichtung palästinensischen Lebens.
Nach den Beurteilungen zahlreicher Genozidforscher sind hiermit die Kriterien für die Feststellung eines Völkermordes erfüllt (siehe hierzu Omer Bartov, https://www.fr.de/kultur/gesellschaft/gaza-krieg-genozid-forscher-omer-bartov-im-interview-93867077.html ).
Protest und Widerstand gegen diese Verbrechen entspricht den Verpflichtungen, die sich aus dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland ergeben. Das Eintreten für Menschen- und Völkerrechte und die Verteidigung der Institutionen, die hierfür geschaffen wurden, die Vereinten Nationen mit dem Internationalen Gerichtshof und der Internationale Strafgerichtshof, sind die unveräußerlichen Verpflichtungen des deutschen Volkes als Lehre aus dem Faschismus.
Wie kann nun diese gesamtgesellschaftliche Aufgabe erfüllt werden, ohne dass sie unter Antisemitismusverdacht gerät? Diese Frage ist bisher unbeantwortet und eine Annäherung ist nur durch die Objektivierung von Beobachtungen möglich.
Einige Beispiele falscher Verdächtigungen und ihrer Richtigstellungen:
– Gerichte haben festgestellt, dass das Tragen einer Kufyia kein Zeichen für Antisemitismus oder Sympathie für die Hamas ist.
– Es ist gerichtlich entschieden, dass der Ruf „Free Palastine“ nicht als antisemitisch zu bewerten ist.
– Das Verbot des Palästina- Kongresses in Berlin im Jahre 2024 und das Einreiseverbot für Yanis Varoufakis zu diesem Kongress wurden gerichtlich als unrechtmäßig festgestellt.
Wenn das Tragen der Kufiya, der palästinensischen Fahne oder der Ruf „Free Palastine“ trotzdem immer wieder als Beleg für eine vermeintlich antisemitische Haltung herangezogen werden, widerspricht dies gerichtlichen Entscheidungen und der Verdacht liegt nahe, dass auf diese Weise Kritik an der Politik Israels unterdrückt werden soll.
Wie also korrekt diese Kriegsverbrechen anklagen und bekämpfen?
Michael Weber, Vorsitzender der deutsch- israelischen Gesellschaft Bielefeld hat Gespräche angeboten (NW vom 16.12.25). Die Friedensinitiative, aber auch uns bekannte Personen mit palästinensischen Wurzeln sind zu solchen Gesprächen bereit.
Der Bielefelder Appell für den Frieden (zu finden unter: bielefelder-friedensini.de) möchte genau diese Initiative unterstützen und in unserer Stadt Dialogebenen schaffen, um Menschen, die von Krieg und Gewalt betroffen sind, in Bielefeld Stimme zu geben und Solidarität und Hilfe wachsen zu lassen.
Für Bielefeld wäre ein Gesprächsformat, das israelische, jüdische und palästinensische Stimmen mit Respekt und Umsicht zusammenbringt, ein Meilenstein. Herr Weber, wir nehmen Sie beim Wort.
Für die Friedensinitiative Bielefeld/OWL
Dr. med Angelika Claußen und Monika Greve
