
Inge Höger, Die Linke Herford
Abrüstung statt Aufrüstung – Butter statt Kanonen!
Die Welt steht in Flammen! Der Krieg um die Ukraine dauert bereits vier Jahre und ein Ende ist nicht in Sicht. Seitdem hat sich die Welt immer kriegerischer entwickelt. Israel hat nach einen Überfall der Hamas mit einem Genozid im Gazastreifen geantwortet. Unterstützt wird Israel dabei von den USA und Deutschland politisch und mit Waffenlieferungen. Zu Beginn diesen Jahres haben die USA Venezuela überfallen und den Präsidenten entführt. Es folgten Drohungen der USA gegen Kuba, Mexiko und den Iran. Eine Annexion von Grönland und Kanada wird von US-Präsident Trump angedroht. Seit dem 28. Februar bombardieren die USA und Israel den Iran.
Trump hat angekündigt, den Iran in die Steinzeit zurück zu bomben. Der Iran antwortet mit Angriffen auf US-Militärbasen in der Region, auf die Golfstaaten und auf Ziele in Israel. Die gesamte Region Westasien wurde damit in Brand gesetzt. Es brennen zivile Einrichtungen, Wohnungen, Krankenhäuser und Ölfelder!
In all diesen Kriegen geht es um den Zugang zu Ressourcen, um Macht und wirtschaftliche Interessen. Der Kampf um die Neuaufteilung der Welt spitzt sich zu und führt zu Aufrüstung und Kriegen. Menschenrechte und Demokratie werden gerne als Kriegsgründe vorgeschoben. Aber sie interessieren weder die USA noch Israel oder die EU. Im Gegenteil, ihre Kriege sind völkerrechtswidrig.
Mit den Worten des französischen Sozialisten Jean Jaurès: „Der Kapitalismus trägt den Krieg in sich wie die Wolke den Regen!“
Weltweit werden Milliarden Dollar für Aufrüstung und Kriegsmaterial ausgegeben. Die Militärausgaben der NATO stiegen von knapp 900 Mrd. $ im Jahr 2015 auf rund 1.600 Mrd. $ im Jahr 2025. Im letzten Jahr einigten sich die Mitgliedsländer auf eine weitere Steigerung auf fünf Prozent des jeweiligen Brutto-Inlands-Produktes. Das würde noch mal eine Steigerung auf 2.850 Mrd. $ bedeuten. Dieses Geld sorgt nicht für Frieden und Freiheit, sondern für Tod und Zerstörung.
Russlands Militärausgaben betrugen 2024 rund 150 Mrd. US-Dollar und die Chinas 314 Mrd. $. Ein Bruchteil der Ausgaben der NATO.
Neben der NATO rüstet vor allem auch die EU massiv auf und arbeitet an einer europäischen Armee.
Aber Waffen bringen keinen Frieden!
In Deutschland erklärte zu Beginn des Ukraine-Krieges der damalige Bundeskanzler Scholz eine Zeitenwende. Mit der Zeitenwende wurde eine enorme Aufrüstung der Bundeswehr und der EU begründet. Deutschland soll kriegstüchtig werden und sich auf einen Krieg gegen Russland vorbereiten, heißt es seitdem.
Nach der letzten Bundestagswahl erteilte eine ganz große Koalition von Union, SPD und Grünen einen Blankoscheck für uferlose Militärausgaben. Ausgaben für Aufrüstung und Krieg wurden von der Schuldenbremse ausgenommen.
Seitdem häufen sich die Großaufträge an die Rüstungsindustrie. 2029 sollen die Ausgaben für das Militär fast die Hälfte des gesamten Bundeshaushaltes ausmachen. Diese gigantischen Ausgaben werden zur weiteren Demontage des Sozialstaates führen.
Bei Rheinmetall und anderen Rüstungskonzernen steigen die Kurse und die Dividenden, es knallen die Sektkorken.
Rosa Luxemburg stellte vor dem 1. Weltkrieg richtig fest: „Die Dividenden steigen und die Proletarier fallen.“
Bundeskanzler Merz will die Bundeswehr zur größten konventionellen Armee in Europa machen. Deutschland soll eine führende Rolle in der EU übernehmen und die EU soll eine eigenständige Militärmacht in einer neuen Weltordnung sein.
Gleichzeitig hat der Kanzler angekündigt, dass Deutschland sich den Sozialstaat in der bisherigen Form nicht mehr leisten könne.
Hochrüstung schafft keinen Frieden sondern nur soziale Unsicherheit und Armut.
Jeden Tag werden neue Kürzungen bei der Grundsicherung, Rente und Krankenversicherung angekündigt. Es fehlt Geld für Bildung, Gesundheit, Pflege, ÖPNV und Infrastruktur. Die Folgen für das Klima sind immens. Für den Bundeshaushalt 2026 sollen die Budgets für Gesundheit, Bildung, Entwicklung, Wirtschaft und Klima, Wohnen, Auswärtiges und Umwelt insgesamt weniger Geld bekommen als das Militär. Außerdem müssen die Schulden mit Zins und Zinseszins zurück gezahlt werden.
Jeder Euro, der in Panzer, Flugzeuge und Munition investiert wird, fehlt an anderer Stelle. Das Geld fehlt bei der Modernisierung der Strom- und Bahnnetze, bei Schulen und Kinderbetreuung, bei der Gesundheit und Pflege und beim Umbau zur Klimaneutralität.
Immer mehr Menschen sind von Armut betroffen. Die Kürzungen der Sozialleistungen, die Wohnungsarmut und die aktuellen Preiserhöhungen aufgrund der Auswirkungen des Iran-Krieges treffen Menschen mit geringem Einkommen ganz besonders.
Die Alternative heißt Abrüsten, Entspannungspolitik, zivile Konfliktlösungen und die Stärkung des Sozialstaates!
Wahre Sicherheit entsteht nicht durch Waffen, sondern durch soziale Gerechtigkeit, durch eine funktionierende öffentliche Daseinsvorsorge, durch bezahlbares Wohnen, gute Bildung und ein starkes Gesundheitswesen für alle. Wahre Sicherheit bedeutet den Klimawandel zu bekämpfen, statt militärisch zu verwalten. Wahre Sicherheit bedeutet, Konflikte zu deeskalieren und auf Diplomatie zu setzten, statt ganze Kontinente in Kriegsgebiete zu verwandeln. Wahre Sicherheit bedeutet Friedensfähig werden statt kriegstüchtig!
Waffen schaffen keinen Frieden! Abrüsten statt Aufrüsten!
Geld für Klima- und Naturschutz, Bildung, Gesundheit und Soziales! Kriege beenden!

Dr. med. Angelika Claußen, IPPNW
Friedensfähig statt kriegstüchtig
Wir sehen, dass unsere Erde brennt: durch immer neue Kriege, wie zuletzt der völkerrechtswidrige Krieg der USA und Israels auf den Iran. Die Missachtung internationaler Rechtsstandards hat sich in den letzten Monaten weiter verschärft. Der völkerrechtswidrige russische Angriff auf die Ukraine hält an, ebenso die andauernde Tötung und Vertreibung der palästinensischen Bevölkerung durch Israel. Die völkerrechtswidrigen Militärangriffe der USA und Israels gegen den Iran und den Libanon sowie die iranischen Gegenangriffe auf die Golfstaaten verschärfen die existentielle globale Krise internationaler Institutionen, allen voran der UN. Hinzu kommt die andauernde Ausbeutung unseres Planeten durch fossile Konzerninteressen und durch die Regierungen der Ölstaaten, durch Russland und die USA, die unsere Lebensgrundlagen – direkt und indirekt zerstören.
In dieser existentiellen globalen Krise fordern wir von unserer Regierung eine Politik der Umkehr hin zu Diplomatie, Entspannungspolitik, Rüstungskontrolle und Abrüstung. Die Bundesregierung muss ihre Unterstützung der Kriege der USA und Israels gegen den Iran beenden, die Waffenlieferungen an Israel einstellen und dem Beispiel Spaniens folgen und die Nutzung der US-Basen für die Kriegsführung gegen den Iran untersagen.
Wir unterstützen die Klage des Friedensaktivisten Martin Singe gegen die Bundesregierung wegen mutmaßlicher Beihilfe zum Krieg der USA und Israels gegen den Iran. Martin Singe wirft Berlin vor, durch Überflugrechte und die Nutzung der Airbase Ramstein völkerrechtswidrige Angriffe zu unterstützen. Das sei Verstoß gegen das Grundgesetz und das Völkerrecht, denn der Iran-Krieg ist weder durch Selbstverteidigung noch ein UN-Mandat gedeckt.
Friedensfähig werden statt nach Kriegstüchtigkeit zu streben ist eine umfassende Aufgabe. Frieden schaffen bedeutet, den gegenwärtigen Krieg gegen die Ukraine schnellstmöglich zu beenden. Der Krieg hat katastrophale humanitäre Folgen für die Zivilbevölkerung, für die Umwelt, und besonders für die Soldaten beider Seiten. Laut dem russischen Nachrichtenportal Mediazona und BBC Russland hat Russland seit Beginn des Krieges nahezu 1,2 Millionen Verluste auf dem Schlachtfeld erlitten, davon 325.000 Tote, die anderen sind Schwerst- Verletzte und Vermisste. Die Ukraine erlitt laut dieser Quelle 600.000 Verluste erlitten, darunter 100.000 bis 140.000 Tote.
Der Krieg gegen die Ukraine muss enden, auch wenn die Bedingungen sehr schwierig sind. Die Bundesregierung und die EU müssen dazu in der Ukrainepolitik endlich einen Strategiewechsel[1]: vollziehen. Ihre politischen Anstrengungen sollten sich auf eine diplomatische Lösung konzentrieren, die insbesondere konkrete Vorschläge zu den Themen atomare und konventionelle Rüstungskontrolle macht, eine Aussage macht, dass eine NATO -Mitgliedschaft der Ukraine von Deutschland und der EU abgelehnt wird und wo über die konkrete Form der Sicherheitsgarantien für die Ukraine und für Russland im Rahmen einer neuen europäischen Sicherheitsarchitektur verhandelt wird.
Friedensfähig werden statt nach Kriegstüchtigkeit zu streben bedeutet ebenso in der Innenpolitik eine Abkehr von der gegenwärtigen Politik der Hochrüstung und der Militarisierung. Schon jetzt gibt Deutschland 2.39 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung aus[2]. Das entspricht etwa 95 bis 100 Milliarden Euro. Wir sagen genug ist genug! Keinen Cent mehr für Rüstung. Wir brauchen unsere Steuergelder für zivile Ausgaben: für Bildung, für den Erhalt unseres Sozialstaats, für die Energiewende hin zu Erneuerbaren Energien und Klimaschutz, für ein zivil aufgestelltes Gesundheitswesen.
Ich spreche hier für die IPPNW, aus der medizinischen Perspektive auf Krieg und Kriegstüchtigkeit. Von unserer Bundesregierung hören wir: die gesamte Gesellschaft muss resilient werden. Resilienz ist das neue Wort für Kriegstüchtigkeit. Dazu sollen wir, die gesamte Bevölkerung ihr „Mindset“ verändern. So auch der Gesundheitsbereich, der jetzt resilient werden müsse für einen Krieg gegen Russland. Statt mehr Personal im Gesundheitswesen sollte besser eine unterirdische Intensivstation gebaut werden, z. B. in der Klinik Köln -Merheim, ganz in der Nähe des NATO-Flugplatzes Köln Wahn. Wir Mediziner sagen: „Die Prävention von Kriegen, ob konventionell oder nuklear, ist die beste Medizin. Wir halten alle Maßnahmen und Vorkehrungen für gefährlich, die auf das Verhalten im Kriegsfall vorbereiten sollen. Nur kriegspräventive Maßnahmen können wir vertreten“.
Weitere Informationen dazu erhalten Sie in unserem Faltblatt gegen die Militarisierung des Gesundheitswesens[3].
[1] https://www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Shop/Ippnw_W-Beileger_2025_web.pdf
[2] https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/geopolitik/ukraine-militaerische-konfrontation-beenden-li.10010700

Pfarrer Bertold Becker, Evangelisch-Reformierte Kirchengemeinde Bielefeld































